Was der Anstand gebietet - oder wie falle ich unangenehm
auf?
Wer kennt es nicht, das Bild vom "häßlichen Deutschen",
der sich bevorzugt im Ausland gezielt daneben benimmt und mit allen
Mitteln versucht, seine Sitten und Gebräuche durchzusetzen. Sauerkraut
und Bratwurst am Äquator, ein Hofbräuhaus auf Hawaii, Liegestuhlbesetzer
an allen Stränden dieser Welt.
Sie winken ab? Natürlich! Deswegen macht man ja Individualurlaub,
fernab der Hotelketten und touristischen Vergnügungszentren. Recht
so! Rucksack aufgesetzt und ab in die Pampas. Zwischen Einheimischen
zur Selbstfindung und oder zur Verbesserung des angekratzten Selbstbewußtseins.
Ja, die Leutchen in der dritten Welt wissen einfach wie's geht.
Sie kennen die Wahrheiten und Lebensweisheiten, die in unserer hektischen
und hochtechnisierten Welt verlorengingen......
Der geneigte Leser mag diese ersten provokanten Worte verzeihen.
Abgesehen davon, daß gerade wir, die Rucksacktouristen, häufig ökologische
Probleme verursachen, tragen wir weit mehr Unrat in diesen Teil
der Welt als nur schwer biologisch abbaubaren Abfall. Leere Dosen,
Sauerstofflaschen, Plastikbeutel, Damenbinden und weiß Gott was
sonst noch alles verschönen die Natur bestimmt nicht.
Schlimmer ist die kulturelle "Verschmutzung", die wir in diese
Länder tragen. Dabei müssen wir gar nicht soweit gehen und sagen,
die Frage von Menschenrechten wird von Asiaten anders gesehen als
bei uns. Das mag so sein! Andererseits kann aber die Tatsache, daß
asiatische Mütter den Schmerz über den Verlust eines Kindes genauso
fühlen wie europäische, nicht als Argument dienen, unsere Werte
und Vorstellungen dort zu importieren. Dazu haben wir kein Recht
(wie viele in unserem Land haben sich schon über die "Bulettenkultur"
unserer amerikanischen Freunde geärgert!?).
Wie dem auch sei! Ein Besucher aus einem hochtechnisierten und
industriellen Land wird IMMER ein Fremdkörper sein, als solcher
empfunden werden und ist nur GEDULDETER, wenn auch zahlender Gast.
Aber Geld darf uns keine unbilligen Freiräume erkaufen! Es darf
nicht den Respekt vor der Würde und Integrität einer fremden Kultur
ersetzen. Denn warum fahren wir denn in diese Länder? Sicher nicht,
um dort das vorzufinden, was wir eigentlich für eine Weile vergessen
wollten! Und damit es so bleibt und unsere Anwesenheit nicht als
lästig, störend oder nur als notwendiges Übel empfunden wird, gebietet
der gesunde Menschenverstand die Beachtung einiger Regeln, die wir
im folgenden listen möchten.
Allgemein:
Nepal ist ein Land vieler Kulturen und Zivilisationen. Es ist
von altersher ein Durchgangsland für den Handel zwischen Indien
und China mit seinen vielfältigen und bunten Bevölkerungen. Die
Einwohner Nepals haben daher gelernt tolerant zu sein. Und diese
Großzügigkeit erweisen sie gerne ihren Gästen. Solange diese Gastfreundschaft
nicht überstrapaziert wird, wird dort jede Reise zum Erlebnis.
Vermeidung von Konflikten:
-
Nepal ist kein Freizeit- oder Abenteuerpark oder gar ein Museum,
errichtet zur Erbauung seiner fremden Besucher. Es lebt und
atmet. Seine kulturellen Stätten haben eine lange Tradition
und sind Teil des Glaubens und der Überzeugung der Bewohner.
Respektieren Sie das!
-
Das Leben in Nepal ist für viele extrem schwer. Leprakranke,
verarmte Familien und gescheiterte Existenzen gehören zum täglichen
Straßenbild, vor allen Dingen in Kathmandu. Vermeiden Sie, schon
aus Anstand, mit unserem westlichen Reichtum zu protzen - und
bitte bedenken Sie, daß hier der Begriff "protzen" eine ganz
neue und andere Bedeutung bekommt. Also: keine prall gefüllten
Geldbeutel, aber auch keine "großzügigen" Trinkgelder, welche
die sonst so harte Arbeit abwerten und Neid und Mißgunst erzeugen
helfen.
Kleidung:
-
Schuhe sind vor dem Betreten eines nepalesischen Hauses IMMER
auszuziehen. Die Kleidung sollte angemessen und sauber sein.
Schließlich gehören sie den Privilegierten dieser Welt an.
-
Zerrissene Jeans mögen cool sein, aber sie erzeugen leicht
das Bild vom berühmten "Großkotz".
-
Für Frauen und Männer gilt gleichermaßen, daß die Kleidung
nicht zuviel Haut zeigen sollte. Nacktheit wird nirgends akzeptiert.
In großer Höhe stellt sich diese Frage zum Glück meist nicht...
Benehmen:
-
Es ist verpönt, öffentlich Zuneigung zu zeigen. Der Gesichtsverlust
ist enorm.
-
Das Gesicht ist dem Asiaten extrem wichtig. Daher ist schreien
oder lautes Streiten im normalen Leben der Ausdruck des völligen
Verlustes von Integrität. Bleiben Sie daher auch ruhig und gelassen,
wenn eine Lage einmal "verzwickt" erscheint.
-
Berührungen sind äußerst selten. Selbst das Händeschütteln
ist nur eine akzeptierte "westliche" Form der Begrüßung. Die
Füße gelten als schmutzig. Daher vermeiden Sie es, damit auf
Dinge oder gar Personen zu zeigen oder diese zu berühren.
-
Der Kopf ist das am höchsten angesehene Teil des Körpers.
Fassen Sie Kinder nicht am Kopf an!
-
Die Frage nach Kasten kann nicht gestellt werden (bitte bedenken
Sie: die Nähe zu Indien wirkt sich hier sehr stark aus)
-
Nepalesen mögen keine negativen Antworten, bzw. überhaupt
keine Antwort geben. Daher kann es manchmal zu Mißverständnissen
kommen, da trotz Unwissenheit eine Antwort gegeben wurde, um
Ihnen(!) Unannehmlichkeiten zu ersparen.
-
So schwer es fällt: ermutigen Sie keine bettelnden Kinder.
Deren Situation wird hierdurch noch verschlimmert. Wenn Sie
helfen wollen, dann gibt es eine Vielzahl caritativer Einrichtungen
(z.B. die Hillary-Schulen), die Ihre Spende bestens anlegen
(wie wär's mit Kugelschreibern oder ähnlichem?)
Tempelbesuch:
Immer im Uhrzeigersinn um den Tempel gehen. Vor dem Betreten:
Schuhe aus! Außerdem erfragen Sie bitte, ob ein Besuch gestattet
ist. Viele Hindu Heiligtümer gestatten keine westlichen Besucher.
Es ist Sitte, dem Tempelpriester oder Abt einen weißen Schal zu
schenken. Diese leichten Seiden- oder Gazeschals können in tibetischen
Läden für wenige Pfennige erstanden werden.
Besuch bei einer nepalesischen Familie:
Sollten Sie das Glück und die Gelegenheit haben, eine Familie
besuchen zu dürfen, so bitte folgendes beachten:
-
Feuer ist heilig. Daher verbrennen Sie darin keinen Abfall.
Dies gilt besonders in Küchen. Ausnahme: Es ist akzeptiert,
beim Trekking die Reste zu verbrennen.
-
Vermeiden Sie es, Speisen zu verunreinigen, indem sie es mit
bereits gebrauchtem Besteck berühren (dies gilt bereits für
Ihre eigene Gabel)!
Fotos:
Belästigen Sie niemanden mit einer Kamera, es sei denn, dies wurde
ausdrücklich genehmigt. Immer Fragen! Manchmal kann man die Erlaubnis
mit einer kleinen Spende erreichen. Aber: drängen Sie niemandem
Ihr Geld auf!
Es ist ausgesprochen unhöflich und trägt sicher nicht zum bereits
erheblich angekratzten Image der "Reichen" bei, versprochene Bilder
nicht zu schicken. Ihr Ehrenwort oder Versprechen müssen Sie halten.
Nachwort:
Bitte bedenken Sie eines besonders gründlich: auch wenn Ihnen
die Kultur des Landes völlig gleichgültig sein sollte, und Sie zu
denen gehören, die das Himalaya als Spielwiese für ihren Egotrip
benutzen möchten (bitte verzeihen Sie den Sarkasmus), so kommen
doch nach Ihnen jedes Jahr aufs Neue zahlreiche Touristen ins Land.
Und die finden nicht nur Ihren Abfall und Unrat vor, sondern vor
allen Dingen auch Einheimische, deren Achtung vor dem westlich geprägten
Menschen von Ihnen und Ihrem Auftritt geprägt wird.
In diesem Sinne!
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